1 Sicht vom Linkufer
170316 Blick Eastside Gallery

Ferry Galleria

Die Verwendung von Säulengängen – also Erschließungsflächen – zu Ausstellungszwecken ist architekturhistorisch belegt. Der italienische Name galleria beinhaltet einen langen Säulen- oder Bogengang, der eine gedeckte Verbindung von diversen Räumlichkeiten schafft und somit die ursprüngliche architektonische und infrastrukturelle Idee aufgreift, diese aber gleichsam transformiert und erweitert. In ihrer schönsten Form ist dies in der Galleria degli Uffizi in Florenz zu bewundern.
Im Falle des vorliegenden Projektes übernimmt die Architektin ein architektonisches resp. infrastrukturelles Element und adaptiert es, indem sie den konventionellen Raum der galleria – den Säulengang – auf einer schwimmenden Plattform, einer Fähre installiert. Mit der Überquerung der Spree in Berlin wird dieser ‚Säulengang‘ mobil und schafft in einer neuen Dimension eine Verbindung zwischen zwei vorher nicht verbundenen Orten, die weder im Zusammenhang gedacht, noch gesehen wurden. Bekannter, bewusster Raum erfährt eine Umwidmung; die Fähre wird zur Galerie, die zwei Verbindungen aufbaut: zwischen zwei Ufern, zwischen der Welt des Verkehrs und der Welt der Kunst, zwischen Galerie und Stadt.
Der Raum ist dem klassischen Galerieraum entlehnt: Ein länglicher Raum wird seitlich durch Pilaster gegliedert, die das konstruktive Gerüst eines aufstrebenden Holzgewölbes bilden und gleichzeitig die ausgestellten Bilder rahmen. Das Dach bildet als Gewölbe das Sinnbild eines unendlichen Raumes und erweitert die bestehende Dachhaut um seine visuelle Unbegrenztheit.
Durch die textile, zwischen den Rippen gespannte perforierte Oberfläche entsteht in dem nahezu lichtlosen Galerieraum eine dem Firmament ähnliche Situation. Punktuell einfallendes Licht schafft, wie in Étienne-Louis Boullées Idealentwurf „Kenotaph für Newton“, eine Art Sternenhimmel, der die präzise ausgeleuchteten Gemälde stärker in den Vordergrund rückt. Durch zwei parallele Bewegungen – jene der Fähre, also des heterotopischen Raumes, und jene der Querung dieses Raumes durch den Besucher – wird eine räumliche Grenze überwunden und gleichzeitig ein neuer Ort erschlossen. Dies kommt einer raumbildenden Torsituation gleich: Ein ‚Anderer Raum‘ wird im wahrsten Sinne des Wortes „erfahrbar“.

Autor: Ronny Schüler, Bauhaus-Universität Weimar

 

 

FER LILY ELEVATION
FER Longitudinal Section People
FER FLOOR PLANS LILY
170516 Ferry Haupthalle interior V2 geometry brancusi

Ferry Galleria

Urheberschaft: Antonia Lippmann in Zusammenarbeit mit dem australischen Künstler Shannon Alexander Murphy

Ort: Spree, Berlin Friedrichshain-Kreuzberg

Realisierung: 2016-2017

Laufende Leistungsphasen: 1-4

Visualisierungen: Alexandre Calame

 

LINK

http://theferrygalleria.com